Kennst du das? Du weinst und weinst, und danach fühlst du dich nicht leichter, sondern erschöpft, leer und verquollen. Und dann gibt es Tränen, nach denen du tief durchatmest und dich wie frisch gewaschen fühlst.
Es gibt Weinen und es gibt Weinen. Ich schreibe in letzter Zeit so oft über Tränen, dass ich dir heute erklären möchte, was ich damit meine. Seit etwa zwei Jahren erlebe ich meine Tränen nämlich völlig anders als früher. Früher waren sie oft ein Vorwurf. Heute sind sie erlösend. Weinen und Heilung gehören für mich eng zusammen.
In diesem Artikel nehme ich dich mit auf meinen Weg. Du erfährst, woran du den Unterschied zwischen diesen Tränen erkennst und wie du heute mit deinen Gefühlen umgehen kannst. Hol dir gern ein Taschentuch. Und keine Sorge: Es wird auch fröhlich, denn nach den Tränen kommt die Freude.

Meine Tränen im Opfermodus
Ich bin mein Leben lang nah am Wasser gebaut. Ich weine bei Filmen, ich weine, wenn ich berührt bin, ich weine, wenn ich Schmerz und Leid in der Welt wahrnehme. Weil ich so mitfühlend bin und in meiner Kindheit schwierige Dinge erlebt habe, habe ich mich von vielen Gefühlen abgeschnitten. Nur das Weinen konnte ich nie ganz wegdrücken. Es ist immer wieder durchgebrochen. Mit dem Kind, das ich damals war, habe ich heute großes Mitgefühl.
Sehr prägend war die Beziehung zu meiner Mutter. Entweder haben wir miteinander gekämpft oder wir haben uns voneinander abgeschnitten. Kampf oder Abschneiden. Jahrzehntelang hat mich das im Opfermodus gehalten, im Drama-Dreieck zwischen Opfer, Täter und Retter. Meine Mama musste anders sein, damit es mir gut geht. Und meine Mutter hat es umgekehrt genauso gemacht.
Jetzt, wo ich ausgestiegen bin und von außen daraufschaue, wirkt es absurd. Was ist das für ein Spiel? Ein Spiel, das schmerzt und den Schmerz am Leben hält. Solange ich mittendrin war, konnte ich das nicht sehen.
Vielleicht erkennst du dich hier wieder. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben eine Beziehung, in der sich alles immer wieder um Kampf oder Rückzug dreht. Und die Tränen danach bringen keine Erleichterung, sondern machen alles nur schwerer.
Mehr zum Drama-Dreieck findest du in meinem Artikel dazu.

Der Wendepunkt: Verantwortung für mein Fühlen übernehmen
Ich habe die symbiotische Abhängigkeit von meiner Mutter beendet und den Kontakt abgebrochen, obwohl es schmerzhaft war. Ich wollte dieses Spiel nicht mehr mitspielen. Danach bin ich Stück für Stück aus dem Drama-Dreieck ausgestiegen. Das ging bei mir nicht von jetzt auf gleich. Es war ein Weg.
Ehrlich gesagt hat sich mein Ego lange gewehrt. Wer will schon ein Opfer sein? Ich bin doch kein Opfer, hat es gesagt. Der eigentliche Wendepunkt kam, als ich in der tiefsten Tiefe Verantwortung übernommen habe: für alles, was ich fühle, und für alles, was ich in meinem Leben erlebt habe, denn ich habe es erschaffen.
Das ist meine Überzeugung: Wir erschaffen unsere Wirklichkeit von innen nach außen. Für mich heißt das, dass ich mir vieles genau so kreiert habe, um die Kraft zu entdecken, aus alten Mustern auszusteigen. Die Kraft war nie weg. Sie ist in jedem Menschen schon da, auch in dir. Es geht darum, sie zu erfahren und in der eigenen Seelenpräsenz zu bleiben, egal was im Außen passiert.

Und damit das ganz klar ist: Das hat nichts mit Schuld zu tun. Du bist nicht schuld an dem, was dir als Kind passiert ist, und auch nicht an deinem Schmerz. Der Opfermodus war lange ein Schutz, und er hat mir geholfen zu überleben. Verantwortung heißt für mich nicht Schuld. Verantwortung heißt, dass ich heute die Kraft habe, anders zu wählen. Diese Kraft hast du auch.
Wie das im Alltag aussehen kann, beschreibe ich in meinem Artikel Vom Opfer zum Schöpfer.
Weinen und Heilung: Was unterscheidet Tränen von Tränen?
Tränen aus dem Opfermodus halten den Schmerz und das Leid fest. Sobald du aus dem Opfermodus aussteigst, können Tränen zur Erlösung werden.
Tränen im Opfermodus sind wie ein Vorwurf. Sie sagen: Du bist schuld. Du musst dich ändern, damit es mir gut geht. Bei mir waren sie unbewusst mit Wut gekoppelt, die ich mir nicht zu fühlen erlaubt habe. Bei mir erkenne ich die Opfermodus-Wuttränen daran, dass meine Augen danach dick und geschwollen sind. Wenn die Tränen dagegen einfach fließen, ich das Fließen einfach erlaube und nicht in der Geschichte festhänge, habe ich nach dem Weinen keine dicken Augen. Das ist interessant, oder?
Wie sich meine Tränen verändert haben
Mit dem Anerkennen, dass ich Schöpferin meiner Realität bin, haben sich meine Tränen verändert. Besonders durch das Qi Gong.
Es gibt in mir immer noch einen Anteil, der große Angst hat, Gefühle zu fühlen, weil es früher so schmerzhaft war. Diese Angst zeigt sich bei mir im Moment in den Händen, den Gelenken und den Faszien der Unterarme. Energetisch stehen Hände und Arme für Geben und Empfangen. Genau das habe ich in meiner Kindheit als so schmerzhaft erlebt, dass ich es 47 Jahre lang verdrängt habe. Erst 2019 sind die Erinnerungen zurückgekommen.
Diesen Anteil habe ich schon sehr viel befreit. Trotzdem schaltet er manchmal noch auf Kampf oder Flucht, wenn im Außen etwas bedrohlich wirkt. Dabei gibt es keinen Säbelzahntiger, der mich fressen will. Dieser Anteil braucht die Zeit, die er braucht, um zu vertrauen und loszulassen. Heute bin ich richtig stolz auf ihn. Er hat so viel getragen und überlebt, das ist unfassbar wundervoll.
Im Qi Gong mache ich in jeder Praxis dieselbe Erfahrung. Ich dehne mich in die Spannung hinein, richte mich aus, gehe ins Empfangen und lasse los. Der Schmerz wird berührt, und dann fließt er mit den Tränen hinaus. Ich bleibe mit meiner Aufmerksamkeit bei meinem Körper und bei meinem Atem, im Hier und Jetzt. Ich hänge mich nicht mehr an die Geschichte dran.

Das funktioniert erst jetzt, seit ich aus dem Drama ausgestiegen bin, und mir selbst die alten Geschichten nicht mehr abkaufe. Das habe ich jahrzehntelang gemacht und alles rauf und runter analysiert und verstanden. Doch im Kopf und im Verstehen gibt es dafür keine Lösung. Ich lasse heute die Emotionen rausfließen, ohne wieder in die Geschichte einzusteigen. Endlich. Puuh.
Drei Monate Meditation und der schönste Sommer
Im Sommer 2018 habe ich drei Monate lang jeden Tag zwei Stunden an meinem Baum meditiert. Ja, ich bin diszipliniert. Du musst das nicht sein, jeder Mensch ist individuell. In den ersten sechs Wochen habe ich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde geweint, und ich wusste nicht, warum. Mein Verstand konnte es nicht fassen.
Und trotzdem, oder gerade deshalb, war das der schönste Sommer überhaupt. Es war heiß, und ich liebe die Wärme. Ich habe viel Energiearbeit gemacht und mich zweimal pro Woche mit einer Freundin zu langen Heilsessions getroffen. Es kann richtig Spaß machen, sich selbst zu befreien. Der erste Schritt war die Bereitschaft, aus dem Opfermodus auszusteigen und es fließen zu lassen.

Gefühle fühlen ohne Überforderung: So geht es Schritt für Schritt
So gehe ich vor, und so kannst du es für dich ausprobieren:
- Nimm dir Zeit und Raum. Gefühle brauchen beides.
- Spüre, wo im Körper das Gefühl sitzt, und atme dorthin.
- Lass die Geschichte draußen. Du musst jetzt nichts analysieren.
- Lass die Tränen fließen, solange sie wollen. Bleib mit deiner Aufmerksamkeit bei Atem und Körper im Hier und Jetzt.
- Schick Liebe hinein und erlaube dem Gefühl, sich durch die Liebe zu wandeln.
- Wenn die Gefühle sehr stark sind, klopfe sanft auf deine Thymusdrüse. Sie liegt oben am Brustbein, etwa zwei Finger breit unter der Halsgrube. Klopfe so lange, bis es leichter wird. Hör auf, sobald du spürst, dass es gut ist. Dein Körper weiß das.
Vielleicht kennst du die Faustregel, dass ein Gefühl etwa 90 Sekunden braucht, um durch den Körper zu ziehen. Meiner Erfahrung nach gilt diese 90-Sekunden-Regel vor allem für neue Situationen und nicht für alte, eingespeicherte Emotionen. Bei mir waren es oft deutlich längere Zeiten. Wenn du über Jahre viele Gefühle angesammelt hast, zum Beispiel Traurigkeit, verdichten sie sich wie zu Energiekugeln. Diese Gefühlskugeln lösen sich nur Stück für Stück, alles auf einmal wäre eine Überforderung.
Du kannst deinem Körper, deiner Seele und deinem Energiesystem voll und ganz vertrauen. Dein System gibt nur das frei, was jetzt dran ist. Nicht mehr und nicht weniger. Was jetzt hochkommt, kannst du halten.
Wenn das Fühlen heute nicht geht
Manchmal ist es zu bedrohlich, Gefühle zu fühlen, und der Verdrängungs- und Kompensationsmechanismus springt an. Manchmal geht es einfach nicht. Punkt.
Wenn du an einem Abend kompensierst, weil es nicht anders geht, dann sei mit deiner Kompensation in Erlaubnis. Wir alle haben da unsere eigenen Mechanismen. Bei mir sind es Filmegucken und Essen. Ich trinke keinen Alkohol und verzichte auf Industriezucker. Die Süße des Lebens verbiete ich mir aber nicht, auch nicht die natürliche Süße im Essen. Dann greife ich zu Datteln oder zu Schokolade, die mit Datteln gesüßt ist. Am nächsten Morgen, wenn du mehr Kraft hast, kannst du dir Zeit und Raum fürs Fühlen nehmen.

Wenn wir Gefühle immer weiter unterdrücken, meldet sich irgendwann der Körper. Er ist dabei dein bester Freund. Er sagt: Schau bitte hin. Hier will etwas erlöst werden. Und er sagt es so lange, bis du bereit bist und dir die Zeit nimmst, hinzuschauen. Wenn der Körper eine Erkrankung entwickelt, geht es gar nicht mehr anders, als hinzuschauen. Dann zwingt dich dein gesamtes Körper-, Geist-, Seelen- und Energiesystem in die Ruhe und in die Stille, in die Veränderung und in die Entwicklung. Auch eine Erkrankung ist keine Strafe und keine Schuld. Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung. Ich glaube an die freie Wahl. Und ich glaube auch, die Seele hat sich vor ihrer Inkarnation vorgenommen, bestimmte Dinge zu erfahren. Vielleicht, um so in die Hingabe zu kommen? Oder, um einen Weg zu gehen, den noch niemand gegangen ist? Um voranzugehen?
Wenn du traumatische Erfahrungen in dir trägst, hol dir zusätzlich professionelle Begleitung. Meine Arbeit ersetzt keine Therapie und keine ärztliche Behandlung. Meine persönliche Empfehlung ist hier die Hochgrat Klinik im Allgäu.
Dein Weg mit den Tränen
Tränen dürfen fließen, und irgendwann sind sie auch wieder zu Ende. Danach darf das Leben freudig weitergehen. Du musst nicht im Leid stecken bleiben, und deine Tränen müssen auch nicht mit Leid verknüpft sein. Wenn etwas hochkommt, schicke ich Liebe hinein und lasse es sich wandeln. Die Liebe, die du bist, nimmt dann den Raum ein, der frei geworden ist. Die Formulierung ist mir wichtig: Du hast es sich lösen lassen. Das ist ein empfangender Vorgang, den du wählst. Deine Absicht reicht aus.

Du bist die Schöpferin deiner Realität, aller Emotionen und aller Begebenheiten. Auch die Heilung ist deine Schöpfung, genauso wie alles andere auch. In dir ist alles angelegt, was es für Heilung braucht. Das Leben lebt sich von innen nach außen, und wir haben Zeit. Lass die Tränen fließen, die fließen wollen, und genieße in der übrigen Zeit dein Leben. Das ist doch cool, oder?
Wie erlebst du dich mit deinen Tränen? Schreib es mir gern in die Kommentare.
Wenn du dir Begleitung beim Fühlen und Loslassen wünschst, buche dir eine Befreit-leben-Sitzung bei mir. Als Nächstes schreibe ich übrigens über das Empfangen.
Licht, Liebe und Segen, deine Vera 😇✨💫💞
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